ANNIKA TEPASKENT
Kunst, die das Licht festhält - bis du dein eigenes findest.
Über mich
Ich habe früh gelernt, was es bedeutet, nicht selbstverständlich irgendwo dazuzugehören.
Ich wurde in Estland geboren und kam als Kind nach Deutschland.
Ein neues Land. Eine neue Sprache. Ein neues Leben.
Ich konnte damals kein Deutsch. Aber ich hatte bereits eine Sprache, die ich verstand: die Malerei.
Schon als Kind war das Malen für mich mehr als Beschäftigung. Es war ein Ort, an den ich mich zurückziehen konnte. Ein Raum, in dem ich nichts erklären musste und einfach sein durfte.
Während um mich herum vieles unsicher war, gab es auf dem Papier keine Grenzen.
Ich konnte dort festhalten, was ich nicht in Worte fassen konnte.



Ich habe gelernt, leise zu sein.
Als Kind habe ich gelernt, nicht aufzufallen.
Nicht zu weinen.
Nicht zu fragen.
Nicht zusätzlich zur Last zu werden.
Nicht, weil mir jemand gesagt hätte, dass ich so sein muss.
Ich habe gespürt, dass meine Eltern bereits genug zu tragen hatten.
Sie kämpften um unser Bleiberecht. Um unsere Zukunft. Um ein Leben, von dem niemand wusste, ob es wirklich bleiben durfte.
Also wurde ich früh still.
Und vielleicht ist genau dort etwas entstanden, das mich bis heute begleitet:
Die Fähigkeit, sehr viel zu fühlen, ohne alles auszusprechen.
Die Malerei wurde zu meiner eigenen Sprache.
Und dann habe ich diese Sprache irgendwann verloren.
Es gab eine Zeit, in der die Stimme der anderen lauter wurde als meine eigene.
Ich begann, fremde Urteile für Wahrheiten zu halten.
Ich fragte mich, ob meine Kunst gut genug ist.
Ob sie jemand sehen möchte.
Ob ich überhaupt das Recht habe, mich Künstlerin zu nennen.
Und irgendwann habe ich aufgehört zu malen.
Nicht, weil ich nicht mehr malen wollte.
Sondern weil ich aufgehört hatte, meiner eigenen Stimme zu vertrauen.


Jahre später kam die Malerei zurück.
Und diesmal war etwas anders.
Ich malte nicht mehr, um etwas richtig zu machen.
Ich malte, weil ich etwas fühlte.
Weil ich etwas festhalten wollte.
Eine Erinnerung.
Einen Moment.
Ein Gefühl von Freiheit.
Einen Schmerz.
Einen Neubeginn.
Oder einfach dieses schwer zu beschreibende Gefühl, wenn plötzlich alles für einen Augenblick still wird.
Ich habe verstanden:
Ich musste nicht lernen, Künstlerin zu werden.
Ich musste nur wieder lernen, mir selbst zuzuhören.
Deshalb male ich Licht.
Wenn du meine Bilder betrachtest, wirst du es wahrscheinlich irgendwann bemerken:
Da ist fast immer Licht.
Selbst in Bildern, die von Schmerz erzählen.
Das ist kein Zufall.
Ich kenne Dunkelheit. Ich kenne Unsicherheit. Ich kenne das Gefühl, nicht zu wissen, wohin man gehört.
Aber tief in mir gab es immer dieses Wissen:
Es wird gut.
Vielleicht nicht heute.
Vielleicht nicht morgen.
Aber irgendwann.
Das Licht in meinen Bildern ist deshalb keine Dekoration.
Es ist Hoffnung.
Es ist Erinnerung.
Es ist die Entscheidung, trotz allem weiterzugehen.
Und manchmal ist es einfach die leise Gewissheit:
Ich bin noch hier.


Ich male über das, was uns prägt.
Heute beschäftigen mich Fragen, die wahrscheinlich viele Menschen kennen:
Wo gehöre ich hin?
Was bedeutet Heimat, wenn man mehr als einen Ort in sich trägt?
Was bleibt von uns, wenn sich unser Leben verändert?
Wie fühlt es sich an, irgendwo wirklich anzukommen?
Und wann wird aus einem Ort ein Zuhause?
Dabei geht es in meinen Bildern nicht nur um meine eigene Geschichte. Es geht um Gefühle, die wir teilen.
Um Kindheit und Erinnerung.
Um Familie.
Um Verlust und Neubeginn.
Um Freiheit und Verwurzelung.
Um Veränderung.
Um das Loslassen dessen, was einmal war.
Und um das Vertrauen in das, was noch kommt.
Ich male nicht die Geschichte eines bestimmten Menschen.
Ich male das Gefühl, das dahinterliegt.
Meine Bilder entstehen Schicht für Schicht.
Auch meine Arbeitsweise ist eng mit diesen Gedanken verbunden.
Ich arbeite mit Acryl, Aquarell, Markern, Papier, Transparenzen, Öl und verschiedenen Strukturen.
Ich beginne selten mit einem vollständig fertigen Bild im Kopf.
Stattdessen entsteht ein Werk langsam.
Schicht für Schicht.
Etwas wird hinzugefügt.
Etwas wird wieder verdeckt.
Eine Farbe verschwindet.
Eine andere kommt zum Vorschein.
Manchmal bleibt nur ein kleiner Teil dessen sichtbar, was einmal darunter lag.
Und genau das liebe ich.
Denn so funktionieren auch Erinnerungen.
Wir vergessen nicht unbedingt, was passiert ist.
Aber wir tragen es irgendwann anders in uns.
Nichts verschwindet ganz.
Manches wird nur Teil einer neuen Schicht.


Heimat ist für mich heute kein Ort mehr.
Vielleicht ist das die größte Veränderung in meiner eigenen Geschichte.
Früher dachte ich, Heimat sei etwas, das man verlieren oder finden kann.
Heute glaube ich, dass Heimat auch etwas ist, das in uns entstehen kann.
Ein Gefühl.
Ein Moment.
Ein Mensch.
Ein Raum, in dem wir aufhören müssen, uns zu erklären.
Ein Augenblick, in dem wir merken:
Hier darf ich sein.
Genau dieses Gefühl möchte ich mit meinen Bildern weitergeben.
Nicht als fertige Antwort.
Sondern als Einladung.
Zum Innehalten.
Zum Erinnern.
Zum Fühlen.
Und vielleicht auch dazu, das eigene Licht wieder wahrzunehmen.
Heute male ich, was ich als Kind vielleicht noch nicht sagen konnte.
Meine Kunst ist aus meiner Geschichte entstanden.
Aus dem Unterwegssein.
Aus dem Fremdsein.
Aus dem Wunsch nach Zugehörigkeit.
Aus Erinnerungen, die geblieben sind.
Aus Dingen, die wehgetan haben.
Aber genauso aus Dankbarkeit.
Denn ich bin heute hier.
Ich male.
Ich darf meine eigene Sprache sprechen.
Und ich weiß, dass ich nicht mehr irgendwo ankommen muss,
um richtig zu sein.
Ich bin angekommen.
Nicht an einem bestimmten Ort.
Sondern bei mir.
Und vielleicht ist genau das der Grund, warum meine Bilder immer wieder dieses eine Gefühl suchen:
Ankommen.

Vita
Ausstellungen & Präsentationen
2027 — Vernissage, Max-Planck-Institut, Berlin (in Vorbereitung)
2026 — Gruppenvernissage, Amtsgericht Tiergarten, Berlin
2026 — Sommergalerie, Schloss Diedersdorf
2026 — Jubiläumsausstellung, Kunstverein Kunstfoyer
seit April 2026 — monatliche Teilnahme, Berliner Kunstmarkt
2026 — Wasserkultur, Zeuthen · Kunstmarkt & Workshops
2025 — Wasserkultur, Zeuthen · Kunstmarkt
2025 — Gruppenausstellung (6 Monate), Kunstverein Kunstfoyer
2025 — Vernissage mit einer weiteren Künstlerin, Café21, Wildau
2024 — Soloausstellung, Zeuthen
Publikationen
"Saltwater" — Anthologie
"The Pool House" (Bewerbung eingereicht)
Werdegang
-
Zertifizierung zur Praktikerin für Kunsttherapie (laufend)
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B.A. Wirtschaftswissenschaften, Schwerpunkt Fashion Management
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18 Jahre Berufserfahrung — davon 5 Jahre Budgetverantwortung in der öffentlichen Verwaltung, bevor der Schritt in die freie Kunst folgte
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